Abwasserhebeanlagen müssen fachgerecht geplant, eingebaut, betrieben und gewartet werden. Die wichtigste Grundlage dafür ist die DIN EN 12056-4. Sie regelt die Planung und Bemessung von Abwasserhebeanlagen innerhalb von Gebäuden. Ergänzend sind unter anderem die DIN EN 12050 und die nationalen Bestimmungen der DIN 1986-100 zu berücksichtigen.

Eine Hebeanlage wird insbesondere dann benötigt, wenn Abwasser unterhalb der Rückstauebene anfällt und nicht im freien Gefälle in die Kanalisation abgeleitet werden kann. Sie pumpt das Abwasser über die Rückstauebene und schützt tieferliegende Räume bei fachgerechter Installation vor Rückstau.

 

Das wichtigste in Kürze

Entwässerungsgegenstände unterhalb der Rückstauebene werden in der Regel über eine Abwasserhebeanlage entwässert.

Die Druckleitung muss mit einer Rückstauschleife über die maßgebliche Rückstauebene geführt werden.

Für Wartungsarbeiten ist neben und über den zu bedienenden Anlagenteilen ausreichend Arbeitsraum vorzusehen.

Fäkalienhebeanlagen müssen über Dach be- und entlüftet werden.

Rückschlagklappen und Absperreinrichtungen ermöglichen einen sicheren Betrieb und eine fachgerechte Wartung.

Abwasserhebeanlagen müssen regelmäßig kontrolliert und durch fachkundige Personen gewartet werden.

 

Wann ist eine Abwasserhebeanlage erforderlich?

Eine Abwasserhebeanlage kommt zum Einsatz, wenn Abwasser nicht im natürlichen Gefälle in den Kanal abfließen kann. Das betrifft insbesondere Ablaufstellen unterhalb der Rückstauebene, beispielsweise Toiletten und Bäder im Keller, Waschmaschinenanschlüsse, Bodenabläufe und bei gewerblich oder öffentlich genutzten Kellerräumen. Die Hebeanlage sammelt das anfallende Abwasser und pumpt es über eine Druckleitung in die höher gelegene Abwasserleitung. Wird die Druckleitung mit einer Rückstauschleife über die Rückstauebene geführt, entsteht eine wirksame physikalische Sicherung gegen zurückdrückendes Abwasser. Man braucht sie ebenfalls, wenn die Abwasserleitung weit entfernt von der Stelle liegt, wo das Abwasser anfällt. Sie überbrücken also auch weite Förderstrecken.

Die Aufgabe von Planern und Installateuren ist es in diesem Zusammenhang, die Entwässerung von Räumen unterhalb der Rückstauebene nach DIN EN 12056-4 rückstausicher auszuführen.

Mehr zum Thema Hebeanlagen finden Sie auch im Induux Hebeanlagen Wiki.

Normen und Vorschriften für die Auslegung von Abwasser Hebeanlagen
Mit Normen und Vorschriften kann die Entwässerung von Räumen unterhalb der Rückstauebene geplant werden.
 

Erläuterungen zu den Einbauvorschriften für Hebeanlagen

1. Arbeitsraum

60 cm Arbeitsraum neben und über allen zu bedienenden Teilen, um Wartungsarbeiten zu ermöglichen.

2. Aufstellung/Auftriebssicherheit

Der Sammelbehälter für fäkalienhaltiges Abwasser darf nicht baulich mit dem Gebäude verbunden sein – gemeint ist damit eine feste Verbindung z.B. das Einsetzen in die Betonsohle des Gebäudes. Dementsprechend ist eine freie Aufstellung zu wählen, jedoch ist der Behälter durch Befestigungen gegen Auftrieb zu sichern. Das erforderliche Befestigungsmaterial gehört i.d.R. zum Lieferumfang der Anlage.

3. Druckleitung

Die Druckleitung muss dem 1,5 fachen des maximalen Pumpendrucks der Anlage standhalten. Empfehlung: Nur Rohrleitungsmaterialien und Verbindungselemente verwenden, die vom Hersteller für diesen Zweck zugelassen sind. Die Rohrleitungsverbindung muss längskraftschlüssig sein!

4. Elastische Verbindung

Anschlüsse der Hebeanlage sind elastisch auszuführen. Bei compli-Hebeanlagen erfolgt dies im Zulauf über den Zulaufklemmflansch sowie im Druckabgang über die mitgelieferte elastische Verbindung, die oberhalb von Rückschlagklappe und Schieber montiert wird.

5. Füllungsgrad

Üblicherweise bei teilbefüllten Leitungen bemessen auf 50%. Nach Anbindung der Hebeanlage bis zu 70% Füllungsgrad möglich.

6. Handmembranpumpe

Bei Stromausfall oder Störung ist das Notstauvolumen des Behälters einer ­Hebeanlage schnell gefüllt. Um die Zeit bis zum Eintreffen des Servicepersonals zu überbrücken, kann die eingebaute Handmembranpumpe wertvolle Dienste leisten. Beachten Sie, dass eine Betätigung, z.B. im Rahmen der Wartungsarbeiten, ­Voraussetzung für eine lange Lebensdauer der Handmenbranpumpe ist. Kein Pflichtzubehör der Hebeanlage im Sinne der Norm.

7. Lüftung

Für den Volumenaustausch (Be- und Entlüftung des Behälters). Bei Fäkalienhebeanlagen nach EN 12050-1 immer über Dach entlüften. Lüftungsleitung separat führen oder unter einem Winkel von 45° oberhalb der höchstgelegenen Anschlussleitung an eine belüftete Fallleitung über Dach anbinden. Abwasserhebeanlagen für fäkalienfreies Abwasser nach EN 12050-2 und Kleinhebeanlagen zur begrenzten Verwendung nach EN 12050-3 können in den Aufstellraum entlüftet werden. Geruchsminderung: über Aktivkohlefilter (Zubehör). Belüftungsventile sind für Fäkalienhebeanlagen nicht zulässig.

8. Pumpensumpf

Dient der Raumentwässerung und Verhinderung von Überschwemmungen z.B. bei Beschädigungen an der Rohrleitung. Eine fest installierte Pumpe ist nicht vorgeschrieben.

9. Rückstauklappe

Ist bei der Installation einer Hebeanlage zwingend zu berücksichtigen.

10. Rückstauschleife

Physikalische Sicherung gegen Rückstau aus dem Kanalnetz. Bei Rückstau im Kanal tritt Wasser eher über den Kanaldeckel auf der Straße aus, als dass es in den Keller fließt. Die Kombination einer Hebeanlage mit einer Rückstauschleife ermöglicht die uneingeschränkte Benutzung der Entwässerungsgegenstände unterhalb der Rückstauebene (in der Regel Straßenoberkante) und die Entsorgung des Abwassers auch bei Rückstau.

11. Schieber im Zulauf

Dient dem Schutz des Wartungspersonals beim Arbeiten. Vor allem in Mehrfamilienhäusern sind die angeschlossenen Nutzer bei der Wartung u.U. nicht alle rechtzeitig erreichbar, so dass Probleme bei der Wartung auftreten können, wenn die Anlage nicht ordnungsgemäß vom System getrennt werden kann. Bei wenig Platz lässt sich der leichte und montagefertige PVC-Zulaufschieber von Jung Pumpen im Zulauf einbauen.

12. Schieber im Druckabgang

Pflichtzubehör bei Fäkalienhebeanlagen nach EN 12050-1. Ermöglicht bei Wartungsarbeiten eine Trennung der Hebeanlage vom System. Auf den Schieber im Druckabgang darf bei Hebeanlagen nach EN 12050-2/12050-3 nur ­verzichtet werden, wenn die Druckleitung < DN 80 ist und diese eine Anlüftvorrichtung oder eine anderweitige Entleerungsmöglichkeit hat. Dabei muss das Nutzvolumen der Anlage so groß sein, dass das komplette Abwasser aus der Druckleitung aufgenommen werden kann.

13. Schwerkraftentwässerung

Keine Abhängigkeit von Maschinentechnik schaffen, wenn es nicht unbedingt notwendig ist. Ausnahmen nur in zwingend erforderlichen Fällen (z.B. Sanierungen).

14. Steuerung

Installation in trockenen, gut belüfteten Räumen. Überflutungssicher installieren. Störmeldeeinrichtung so installieren, dass diese in jeder geschlossenen Wohneinheit signalisiert wird.

 

Wartung von Hebeanlagen

Nach DIN EN 12056-4 sind Abwasserhebeanlagen regelmäßig durch eine fachkundige Person zu warten. Die üblichen Intervalle richten sich nach Gebäudeart und Nutzung:

  • gewerbliche Betriebe: alle drei Monate
  • Mehrfamilienhäuser: alle sechs Monate
  • Einfamilienhäuser: einmal jährlich

Unser Tipp

Wir empfehlen unbedingt den Abschluss eines Wartungsvertrages! Ein Wartungsvertrag hilft dabei, die vorgeschriebenen Intervalle einzuhalten und die Betriebssicherheit der Anlage dauerhaft sicherzustellen.

Lassen Sie alle Wartungen dokumentieren und bewahren Sie die Wartungsprotokolle auf. Sie erleichtern den Nachweis, dass die Anlage regelmäßig geprüft und fachgerecht instand gehalten wurde. Unter Umständen wird der Nachweis über erfolgte Wartungen im Falle eines Schadens von den zuständigen Gebäudeversicherern verlangt.

Mehr zum Thema Wartung
 

FAQ zu Normen für Hebeanlagen

 
Welche DIN gilt für Abwasserhebeanlagen?

Die zentrale Norm für Planung und Bemessung ist die DIN EN 12056-4. Die Produktanforderungen ergeben sich je nach Art der Hebeanlage aus DIN EN 12050-1, DIN EN 12050-2 oder DIN EN 12050-3. Ergänzend ist in Deutschland die DIN 1986-100 zu berücksichtigen.

Welche DIN gilt für Abwasserhebeanlagen?
Muss eine Hebeanlage immer eine Rückstauschleife haben?

Bei der normgerechten Entwässerung von Ablaufstellen unterhalb der Rückstauebene wird die Druckleitung über die Rückstauebene geführt. Diese Rückstauschleife bildet die physikalische Sicherung gegen Rückstau aus dem öffentlichen Kanalnetz.

Muss eine Fäkalienhebeanlage über Dach entlüftet werden?

Ja. Fäkalienhebeanlagen nach DIN EN 12050-1 müssen über Dach be- und entlüftet werden. Ein Belüftungsventil ist dafür nicht zulässig.

Wie viel Platz wird für eine Hebeanlage benötigt?

Neben und über allen bedienungs- und wartungsrelevanten Bauteilen sollte ein Arbeitsraum von mindestens 60 cm vorhanden sein. Zusätzlich sind die konkreten Montagevorgaben des Herstellers zu beachten.

Wo wird die Steuerung einer Hebeanlage montiert?

Die Steuerung wird in einem trockenen, gut belüfteten und überflutungssicheren Bereich installiert. Warn- und Störmeldungen müssen zuverlässig wahrgenommen werden können.

Wer darf eine Hebeanlage warten?

Die Wartung muss durch eine fachkundige Person erfolgen. Der Betreiber sollte die Anlage zusätzlich regelmäßig auf sichtbare Schäden, Undichtigkeiten und ihre grundlegende Funktion prüfen.

 

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