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Presse

Referenten des 9. OWL- Abwassertages

Industrie 4.0 am Beispiel der Wasserwirtschaft

Der Weg zum vernetzten Abwassernetz

Erklärfilm zur Feuchttuchproblematik

Endless Sewer in der IAB Weimar gGmbH

Der 9. OWL- Abwassertag lockt Fachpublikum nach Steinhagen

9. OWL- Abwassertag zum Thema „Abwasser 4.0“

Nachberichterstattung

Zum neunten Mal lud Pentair Jung Pumpen die Abwasserbranche zum OWL-Abwassertag nach Steinhagen ein. Der diesjährige Abwasserkongress stand unter dem Motto „Abwasser 4.0“. Insgesamt 160 Besucher aus ganz Deutschland fanden den Weg nach OWL (Ostwestfalen Lippe) und unterstrichen damit die Aktualität und das Interesse an dem Thema. Im Folgenden finden sich die Kurzzusammenfassungen der Vorträge.

Die Entwicklung smarter Komponenten beschäftigt nicht nur viele Endverbraucher bei der Aufrüstung ihres Eigenheims in ein Smart-Home, sondern wird mehr und mehr auch in der Abwassertechnik eingesetzt. Das „Internet of Things“ versetzt Kommunen, Kläranlagen und Abwasserzweckverbände in die Lage, Abwasserentsorgungsprozesse smart zu managen und Probleme - zum Beispiel blockierende Pumpen – zu detektieren und geeignete Maßnahmen zu veranlassen. Besonders Regenereignisse unvorhersehbaren Ausmaßes stellen die Kommunen vor neue Herausforderungen, die neue Lösungen erfordern.

Abwasser 4.0 – aktuelle Forschungen und Perspektiven 

Prof. Dr.-Ing. Paul Uwe Thamsen, Technische Universität Berlin, Institut für Strömungsmechanik 

Wie andere Bereiche des öffentlichen Lebens und der Infrastruktur, wurde auch die Wasser- und Abwasserinfrastruktur von den Innovationswellen der Industrialisierung verändert: Nach der Mechanisierung Ende des 18. Jahrhunderts folgte die Elektrifizierung am Anfang des 20. Jahrhunderts und schließlich die Automatisierung am Ende des 20. Jahrhunderts. Bei der aktuellen vierten Revolution „Wasser und Abwasser 4.0“ geht es um die Digitalisierung der Wasserwirtschaft. Ähnlich wie bei der Industrie, wird die voranschreitende Digitalisierung die Zukunft der Abwasserwirtschaft prägen und bestehende und zukünftige Herausforderungen auf (r)evolutionäre Weise angehen. Die digitale Transformation der Abwasserbewirtschaftung wird es erlauben, neue und vorteilhafte Möglichkeiten der Datenerfassung und Datenauswertung zu nutzen, um damit den Bestand zu optimieren und die notwendige Betriebsflexibilität für die Zukunft zu garantieren. 

Unter dem Leitgedanken „Water 4.0“ im Fahrwasser der vierten industriellen Revolution erlauben eine erweiterte und verbesserte Datenerfassung und Datennutzung, Online-Sensorik und Aktorik, sowie eine Vernetzung der Systemkomponenten untereinander, eine Anpassung an den dynamischen Bedarf und an sich wandelnde Anforderungen. Als Beispiele seien hier der vorausschauende Betrieb bei Starkregenereignissen durch die Integration von Niederschlagsprognosen, der optimale Zufluss für Kläranlagen oder die optimierte Bewirtschaftung von Pumpsystemen genannt. Eine intelligente Netzbewirtschaftung würde es ermöglichen, die Kapazitäten der bestehenden Abwasserinfrastruktur besser auszunutzen, ohne in aufwändige Sanierungs- und Neubaumaßnahmen investieren zu müssen.

Abwasser 4.0 – Entwicklung und Umsetzung am Praxisbeispiel Abwasserpump-stationen Hamburg Wasser

Michael Rix, Hamburger Stadtentwässerung AÖR

In einem Unternehmen wie HAMBURG WASSER sind Pumpenanlagen für die Sicherstellung der Betriebsabläufe unerlässlich. Sie sind für die Erzeugung und den Transport des Trinkwassers wie auch für den Abtransport und die Behandlung des Abwassers von entscheidender Wichtigkeit. Die steigende Viskosität und Feststoffbelastung des Abwassers stellen die Betreiber von Abwasseranlagen vor immer größere Herausforderungen. Es kommt vermehrt zu problematischen Betriebszuständen in Abwasserpumpstationen, die bislang zuverlässig das anfallende Abwasser aus dem Einzugsgebiet abgeleitet haben. Selbst bei optimalen Systemvoraussetzungen lassen sich Schäden an den Abwasserpumpen sowie ein erheblicher betrieblicher Aufwand nicht vermeiden. Es ist festzustellen, dass eine ordentliche Auslegung von Pumpensystemen sowie eine fachgerechte und regelmäßige Wartung der Anlagenteile nicht ausreichend sind, um einen sicheren Betrieb der Pumpstationen zu gewährleisten.

Welche Möglichkeiten bieten eine intelligente Vernetzung von dezentralen, autonomen, sich situativ selbst steuernden Anlagen, kurz gesagt ist Abwasser 4.0 eine Chance und geht das überhaupt in der Abwasserwirtschaft?

HAMBURG WASSER hat sich auf den Weg gemacht. Den Datenbestand zu sichten, zu vereinheitlichen und aufzubereiten war der erste Schritt. Die Kommunikation der unterschiedlichen Komponenten in der Abwasserentsorgung aufzubauen und zusammenzuführen ein weiterer. Bis eine komplette Vernetzung der kompletten Infrastruktur mit einer aufgesetzten Intelligenz aber zu störungsfreien Netzen führt, wird noch ein langer Weg sein.

Teilerfolge sind aber schon zu vermelden. Michael Rix stellt ein Projekt vor, das er als „Kleine Autonomie“ präsentiert. So hat man bei HAMBURG WASSER durch intelligente Frequenzumformer und Rückspülprogramme an den Pumpen erreicht, dass problembehaftete Pumpstationen deutlich weniger Störeinsätze erfordern, als in der Vergangenheit. Feuchttücher, die oft Blockaden in der Hydraulik der Pumpen verursachen, können so in den meisten Fällen autonom wieder frei gefahren werden.

Betriebssicherheitsverordnung und daraus resultierend Zonenplan und Explosionsschutz

Dipl.-Ing. Michael Langer, TÜV Nord Systems GmbH & Co.KG, Leiter Region Ostwestfalen-Lippe

Schon bei geringen Mengen explosiver Atmosphäre sind Explosions-schutzmaßnahmen erforderlich. Insbesondere beim Betrieb von kleinen abwassertechnischen Anlagen wird dieses Risiko oft unterschätzt. Das Auftreten von Faulgasen und Gasen von Haushalts-Chemikalien ist immer zu bewerten. In der Regel ergeben sich hieraus Anforderungen bezüglich des Explosionsschutzes, die auch von privaten Betreibern dieser Anlagen zu beachten sind. Nur befähigte Personen mit besonderer Qualifikation dürfen Prüfungen an Anlagen in explosionsgeschützten Bereichen durchführen. Hierbei sind die in den einschlägigen Vorschriften angegebenen maximalen Prüffristen einzuhalten.

Aufbau eines standardisierten Niederschlagsdaten-Managementsystems beim OOWV

Dipl.-Ing. Reinhard Hövel,  Oldenburgisch-Ostfriesischer Wasserverband (OOWV), Niederschlagswassermanagement

Beim OOWV ist insbesondere vor dem Hintergrund der großen Fläche des Verbandsgebietes eine möglichst detaillierte Aufzeichnung des Niederschlagsgeschehens in den einzelnen Regionen zur Erfüllung der technischen Aufgaben unerlässlich. Zusätzlich steigen die Anforderungen an die zeitliche und räumliche Auflösung von Niederschlagsinformationen und deren zeitnaher Verfügbarkeit; dies resultiert insbesondere auch aus der klimabedingten Zunahme von Starkregen. Der OOWV verfolgt daher zeitnah den Aufbau eines standardisierten Niederschlagsdaten-Managementsystems entsprechend dem neuesten Stand der Technik. Für die verbandsgebietsweite Deckung dieses Informationsbedarfs sind Niederschlagsradardaten besonders geeignet und sollen in das Projekt, das sich derzeit in der Umsetzungsphase befindet, integriert werden.

Ganz in räumlicher Nähe beschäftigt sich auch die hanseWasser in Bremen mit den Auswirkungen von Starkregenereignissen.

Generalentwässerungsplanung und Ermittlung von Gefährdungspotenzialen im Rahmen der kommunalen Überflutungsvorsorge in Bremen

Dipl.-Ing. Swen Pfister, hanseWasser Bremen GmbH

Die Betreiber von kommunalen Entwässerungssystemen stehen  vor der Herausforderung, den hohen technischen und kommunikativen Anforderungen infolge der Beherrschung der Folgen von Starkregenereignissen gerecht zu werden. 

Hierbei ist es mittlerweile Standard, die Instrumente der klassischen Generalentwässerungsplanung zum Nachweis der hydraulischen Leistungsfähigkeit der Entwässerungssysteme um Komponenten zur Identifizierung von Überflutungsgefahren zu ergänzen. Darüber hinaus ist, im Rahmen der „neuen“ Aufgabe „kommunale Überflutungsvorsorge“, ergänzend zur Identifikation von Überflutungsgefahren, die Ermittlung von Schadenpotenzialen sowie daraus abgleitet die Bewertung von Überflutungsrisiken gefordert. Zusätzlich ist es erforderlich, diese Überflutungsrisiken in angemessener Weise zielgruppengerecht zu kommunizieren und bei der Ableitung von Maßnahmen zur Risikominimierung mitzuwirken. Diese Aufgabe bzw. diese Verantwortung der Kommunen ist vielfach bisher nicht explizit formuliert bzw. an einen Verantwortungsträger innerhalb der Kommune adressiert. Ferner ist die Finanzierung dieser Aufgaben ebenfalls vielfach noch nicht geklärt bzw. gewährleistet.

In der Freien Hansestadt Bremen ist hierfür das ressortübergreifende Forschungsvorhaben KLAS (Klimaanpassung Extreme Starkregenereignisse) initiiert worden, mit dem Ziel, Instrumente und Prozesse sowohl im öffentlichen als auch im privaten Bereich zu schaffen bzw. zu etablieren.

Die hanseWasser Bremen, als Betreiber der öffentlichen Abwasserentsorgung in Bremen, unterstützt das Forschungsvorhaben seit Beginn maßgeblich mit Ressourcen aus den Bereichen Generalentwässerungsplanung/ Überflutungssimulation, Planung und Bau, Kundenberatung und Grundstücksentwässerung.

Feuchttuchproblematik in der Abwassertechnik

Marco Koch, Jung Pumpen GmbH, Leiter Verkaufsförderung/ Seminarwesen

Als Hausherr der Jung Pumpen GmbH führte Marco Koch in das Thema „Feuchttuchproblematik in der Abwassertechnik“ ein: Auch die Pumpenhersteller verspüren in den letzten Jahren über das Kundenfeedback zunehmend den Ärger der Abwasseranlagenbetreiber in Bezug auf die Zunahme von Feuchttüchern im Abwasser. Hieraus resultieren Verstopfungen in den Pumpstationen und Probleme an den Klärwerken. Jung Pumpen hat auf die erhöhte Verstopfungsanfälligkeit mit einer neuen Pumpenbaureihe aus der Familie der Freistromradpumpen reagiert. Umfragen, die bei verschiedenen Kommunen und Anlagenbetreibern durchgeführt wurden, zeigten eindrucksvoll wo „der Schuh drückt“. So sind gerade Kanalradpumpen mit hohen Wirkungsgraden von Blockaden betroffen. Diese werden mehr und mehr gegen Freistromradpumpen getauscht. Dies verschlechtert zwar die Energieeffizienz der Anlage, führt aber aufgrund der reduzierten Störeinsätze zu erheblich weniger Wartungskosten.

Um den Bürger auf diese Problematik hinzuweisen, hat Jung Pumpen einen anschaulichen Erklärfilm entwickelt, der nachvollziehbar zeigt was passiert, wenn  Feuchttücher statt über den häuslichen Mülleimer über die Toilette entsorgt werden. Diesen Film stellt das Unternehmen gern auch Kommunen kostenlos zur Verfügung, um deren Auftrag zur Bürgerinformation mit sinnvollem Material zu unterstützen.

Feucht- und Pflegetücher - Zerfallseigenschaften und Prüfverfahren
Dipl.-Ing. (FH) Hartmut Solas, IAB Weima, Leiter Forschungsbereich Technische System

Feucht- und Pflegetücher nehmen in unserem Alltag inzwischen einen festen Platz ein. Was passiert mit diesen Produkten, wenn sie ihren Zweck erfüllt haben? Sie werden über die Toilette in die Abwasserkanalisation entsorgt und verursachen dort enorme Betriebsstörungen. Die Folge ist ein deutlicher Anstieg der Betriebskosten.

Derzeit existiert keine verbindliche Vorschrift zur Durchführung und Bewertung von Zerfallstests dieser Tücher einschließlich feuchten Toilettenpapiers. Lediglich die EDANA, eine europäische Vereinigung von Firmen der Vliesstoffherstellung, hat ein 7-stufiges Testprogramm zur Prüfung der Produkte entwickelt, welche aber nur unvollständig die Verhältnisse im Abwasserkanal widerspiegelt.

Das IAB Weimar gGmbH hat ein neues Prüfgerät, den ENDLESS SEWER, einschließlich Prüfalgorithmus entwickelt. Das entwickelte Testprogramm lehnt sich an die Abflussverhältnisse in Abwasserkanälen an. Es kann zukünftig dazu dienen, Herstelleraussagen zu überprüfen bzw. ein genormtes Prüfverfahren für Feuchttücher auf den Weg zu bringen. 

Feuchttücher im Abwasser – Möglichkeiten und Grenzen der satzungsrechtlichen Beschränkung störender Stoffe im Abwasser

Daniela Deifuß-Kruse, BRANDI Rechtsanwälte, Paderborn

Rechtsanwältin Daniela Deifuß-Kruse betrachtete das Thema aus der rechtlichen Perspektive. Ihr Resümee: „Anlagenbetreibern stehen durchaus wirksame rechtliche Möglichkeiten zur Verfügung, die falsche Benutzung der Abwasseranlage mit Feuchttüchern einzudämmen oder auch Schäden geltend zu machen. Allerdings bedarf dies einer sorgfältigen Vorbereitung und der umfassenden Aufklärung der Nutzer.“

Insgesamt war der neunte OWL Abwassertag eine gelungene Informationsveranstaltung, die nicht nur aktuelles Wissen aus Theorie und Praxis vermittelte, sondern auch den unterschiedlichsten Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus Kommunen, Ingenieurbüros und der Wissenschaft viel Inspiration für interessante Gespräche und einen persönlichen Austausch lieferte.

 

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