Neue Anforderungen an den Rückstauschutz

Vorschau auf die zu erwartenden Änderungen der DIN 1986-100 (10.07.2026)

Bereits 2025 erschien der Entwurf der neuen DIN 1986-100 für „Entwässerungsanlagen für Gebäude und Grundstücke – Teil 100: Bestimmungen in Verbindung mit DIN EN 752 und DIN EN 12056“. Noch ist die neue Norm nicht verabschiedet – der Entwurf zeigt jedoch bereits, wohin sich die Anforderungen an den Rückstauschutz entwickeln. Aufgrund der Relevanz der zu erwartenden Änderungen, geht der folgende Beitrag auf die erhöhten Schutzanforderungen gegen Rückstau ein und zeigt Lösungsmöglichkeiten für deren praktische Umsetzung.

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Die Änderungen in dem Entwurf der neuen DIN 1986 100 haben den Hintergrund, dass die bisherige Praxis hydraulisch oft zu ungenau war und reale Rückstausituationen nicht korrekt abgebildet hat. Dies ist zum Beispiel der Fall bei Gebäuden in Hanglagen, da dort besondere hydraulische Verhältnisse bestehen. Weitere Faktoren sind die gestiegenen Wassermengen, die unter anderem durch zunehmende Starkregenereignisse immer häufiger die öffentliche Kanalisation überfordern. Diesen häufigen Überlastungszuständen soll nun durch eine veränderte Definition von Rückstauebene und Rückstauschleife begegnet werden.

Die „neue“ Rückstauebene

Bisher wurde in der Regel die Straßenoberkante als Rückstauebene festgelegt. Der neue Ansatz lautet: weg von der Geländeoberkante hin zu Entspannungspunkt und Überstauhöhe. Laut Neuformulierung ist die Rückstauebene „der Entspannungspunkt der öffentlichen Abwasseranlage unter Berücksichtigung des zu erwartenden Überstaus“. Was bedeutet das? Der Entspannungspunkt der öffentlichen Abwasseranlage ist der Punkt im Entwässerungssystem (meist ein Schacht), an dem das Wasser im Überlastfall zuerst austreten würde, also die maßgebliche Bezugshöhe im Kanal. Weil das Wasser in der Praxis nicht genau am Schachtdeckel stoppt, sondern noch darüber hinaus ansteigen kann, sich quasi eine kleine Fontäne bildet, soll künftig ein Sicherheitszuschlag hinzugerechnet werden. Die Rückstauebene ist dann keine feste Vorgabe aus der Norm, sondern soll zukünftig vom Planer für jedes Projekt individuell bestimmt werden. Maßgeblich sind die örtlichen Kanaldaten vom Netzbetreiber und die nach DIN 1986 100 anzusetzende Kombination aus Entspannungspunkt und Überstauhöhe.

Neue Anforderungen an die Rückstauschleife

Alle Entwässerungsgegenstände im Gebäude, die unterhalb der Rückstauebene liegen, müssen laut Norm über eine Abwasserhebeanlage entwässert werden. Die Druckleitung der Anlage muss in einer Schleife über die Rückstauebene geführt werden, damit bei Rückstau im öffentlichen Kanal kein Abwasser durch die Leitung in das Gebäude zurückgedrückt werden kann. Die Anforderungen an den Rückstauschutz werden seit Januar 2001 auf europäischer Ebene über die DIN EN 12056-4 geregelt. Die Neufassung der DIN 1986-100 nimmt nun hier nochmal stärkeren Einfluss. Mit der Überarbeitung in der dritten Neufassung seit dem Erscheinen im Jahr 2002 wird gefordert, dass die Rückstauschleife zukünftig mit einer Überhöhung von 0,1 m zu berücksichtigen ist. Dabei soll die Nennweite der Druckleitung im Hochpunkt erweitert werden - jedoch spätestens vor dem Übergang in die Freispiegelleitung. Die Aufweitung soll dabei sicherstellen, dass eine Vollfüllung der anschließenden Schwerkraftentwässerung in jedem Fall vermieden wird und sich kein rückwärts wirkender Saugheber einstellen kann. Für die Planung ergeben sich damit zusätzliche Herausforderungen, gerade in Hinblick auf die Kellerdecke, die manchmal zu tief, auf Niveau der Rückstauebene oder darunter, liegt. Der Strömungsabriss beim Übergang auf die größere Nennweite soll hier einen Füllungsgrad H/di = 0,5 herbeiführen, beim Übergang auf die Sammel- oder Grundleitung dürfen maximal H/di = 0,7 erreicht werden.

Rückstauschleife frostsicher nach draußen verlegen

Ist die Installation einer Rückstauschleife innerhalb des Gebäudes nicht möglich, weil bspw. eine Geschossdecke „im Wege“ ist, kann die Führung der Druckleitung aus dem Gebäude heraus eine Lösung sein. Durch die Außeninstallation bleibt die Schutzfunktion auch bei einem hohen Niveau der Rückstauebene realisierbar, ohne Leitungen durch Decken oder Geschosse führen zu müssen. Dadurch werden außerdem die sonst notwendigen Brandschutzmaßnahmen bei Deckendurchführungen sowie zusätzliche Aufwendungen im Schallschutz hinsichtlich der Strömungsgeräusche in der Druckleitung eingespart. Wichtig bei der Außenaufstellung ist die fachgerechte und frostsichere Installation. Vormontierte, beheizbare Rückstauschleifen, wie z.B. der neue „ThermoLoop“ von Jung Pumpen, bieten hier eine komfortable Lösung. Der Hersteller bietet für die Nennweiten DN50/80/100/150 vorgefertigte Schleifensets an. Diese sind in Außenschränken untergebracht und können leicht versetzt werden. Der erforderliche Stromanschluss versorgt die integrierte Begleitheizung mit Spannung, so dass der Frostschutz für die Rohrleitung automatisch zu jeder Zeit gewährleistet ist. Zusätzlich ist im Schrank Platz für ein Pumpen-Steuergerät.

Rückstauschutz und Pumpen nach draußen verlagern

Kellerräume sind heute nicht nur Abstellflächen, sondern werden oft als zusätzliche Wohnräume oder für Hobbyzwecke genutzt. Dann ist der Platz unter Umständen zu wertvoll, um dort eine Hebeanlage unterzubringen. In diesen Fällen kann die Pumpentechnik nach draußen verlegt werden. Hier bieten sich nass aufgestellte Pumpaggregate in Schachtbauten an. Durch diese Installation wird zudem der (Not-) Stauraum als Puffervolumen - bspw. bei einem Stromausfall - deutlich erhöht.

Umsetzung

Behälter-Hebeanlagen sind laut Einbauvorschriften grundsätzlich für den Einsatz innerhalb von Gebäuden und nicht für den Einbau in Außenschächten vorgesehen. Ein Grund dafür ist die Wartung, für die ein vorgeschriebener umlaufender Freiraum von 60 cm für die optimale Erreichbarkeit aller Komponenten einzuhalten ist. Dies ist in Schächten schwer zu realisieren. Hebeanlagen sind i.d.R. zwar überflutbar, nicht jedoch für den permanent untergetauchten Betrieb konzipiert. Außerdem sind die Schächte oft leider nicht dicht, eindringendes Grundwasser müsste mit einer zusätzlichen Pumpe getrennt entsorgt werden.

Um die Entwässerung nach draußen zu verlagern, bietet sich vielmehr die Nassaufstellung von Pumpen in dichten Kunststoffschächten an. Die Pumpen lassen sich leicht aus dem Schacht ziehen und die Wartung kann damit größtenteils außerhalb des Schachtes durchgeführt werden. Der Einbau der Steuerung sollte außerhalb des Schachtes in einer Leersäule oder in Kombination mit dem Gehäuse des ThermoLoop erfolgen, damit das Wartungspersonal einen direkten Zugang hat und die Betriebszustände der Pumpe bei der Wartung einfach abgleichen kann. Die Installation im Gebäude (Technik-Raum) ist auch möglich – hier muss dem Techniker jedoch Zugang zum Haus gewährt werden.

Autoren

Dieser Fachbeitrag wurde verfasst von:

Marco Koch (Jung Pumpen GmbH)

 

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